Der Traum vom kleinen Haus

Bassum – Benjamin Brunkhorst steht vor seinem Wohnmobil und redet mit den Händen fast so viel wie mit dem Mund. Wenn er eine Idee erklärt, die ihn selbst noch begeistert, fährt er sich kurz über den Mund, als müsse er die Worte erst sortieren, bevor sie raus dürfen.

Ich schaue mir den Camper an. Wirklich schick. Ich habe auch einen, einen Fiat Ducato Maxi, selbstgebaut, mit eigenen Händen und wahrscheinlich zu wenig Geduld. Nicht annähernd so durchdacht wie seiner. Trotzdem: zufrieden bin ich damit. Seit wann kosten Wohnmobile eigentlich so viel? Aber gut, das Wort sagt es ja schon. Ein kleines Haus. Was für ein Privileg, so eins zu besitzen. Oder zu bauen.

„Große Händler, große Hürden“, sagt Brunkhorst, und in dem Satz steckt eine ganze Reisegeschichte. Ersatzteile, die keiner vorrätig hat. Kabel, die kreuz und quer durch den Wagen laufen, bis niemand mehr weiß, was wohin führt. Zu wenig Platz für den Alltag, zu viel für die Show. Gemeinsam mit seinem Freund Ali Kabakulak wollte er es anders machen. Nicht besser im Sinne von größer. Besser im Sinne von durchdacht.

Die Idee kam ihm nicht am Schreibtisch. Sie kam auf staubigen Pisten, fernab der Campingplätze mit Pool und Rezeption. Besonders die albanische Hochebene hat sich eingebrannt, erzählt er, tagelang über Schotter, bis zu einem Canyon, so einsam und wild, dass er zur Inspiration wurde. „Ein unvergessliches Abenteuer, das uns bis heute antreibt“, sagt Brunkhorst, und für einen Moment ist er nicht mehr hier, sondern dort, auf dieser Piste.

Zu Hause dann die andere Seite der Geschichte. Genehmigungen, Auflagen, Zulassungen, ein Papierberg, der wächst, während man eigentlich bauen will. „Für Selbständige ist es nicht einfach, ständig der Bürokratie hinterherzulaufen“, sagt er, und in seiner Stimme liegt keine Klage, eher eine Feststellung, die er schon oft gemacht hat. Aufgeben, sagt er, sei nie eine Option gewesen.

Was er baut, ist für ihn keine Frage der Technik allein. Farben und Licht sollen den Raum öffnen. Sitze müssen halten und trotzdem bequem sein. Eine Luftmatratze, die sich regulieren lässt. Eine Leiter, die verschwindet, wenn man sie nicht braucht. Kabel, die endlich wissen, wohin sie gehören. „Gemacht von Servicekraft für Servicekraft“, sagt Brunkhorst, ein Satz, den er offensichtlich schon oft gesagt hat, aber er klingt noch immer, als meine er ihn genau so.

Draußen fährt er noch einmal mit der Hand über den Mund, bevor er weiterspricht. Die Bürokratie nimmt ihm manchmal die Luft, das gibt er zu. Die Lust am Bauen nimmt sie ihm nicht. „Wir wollen neue Reihen entwickeln, sowie unseren ersten E-Sprinter“, sagt er, und blickt dabei schon nicht mehr auf den Wagen vor uns, sondern auf den, der noch nicht existiert.

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