Sechs Uhr morgens. Der Nachbar kehrt die Straße. Seit dreißig Jahren. Niemand hat ihn je darum gebeten. Niemand hat es je bemerkt — außer wenn er es einmal nicht tut.
So sind die meisten guten Geschichten. Leise. Unauffällig. Die Frau, die den Kindergarten am Laufen hält. Der Junge, der heimlich Gedichte schreibt, nach der Schule, wenn keiner zuschaut. Man stolpert nicht über solche Menschen. Man muss von ihnen wissen.
Ein Alter gibt es dafür nicht. Eine Bedingung auch nicht. Ich habe mit einer Clownin gesprochen, siebzig, immer noch auf der Bühne. Mit einer Vierzehnjährigen, die Lateintanz ernster nimmt als mancher seinen Beruf. Mit einem Jongleur, der sich in einer alten Scheune sein eigenes kleines Theater gebaut hat.
Also: wen kennst du?
Vielleicht jemanden aus der Nachbarschaft. Aus dem Verein. Aus der Familie. Vielleicht jemanden, den du längst bewunderst. Vielleicht dich selbst.
Ein paar Zeilen reichen. Wer, und warum dir diese Person einfällt. Den Rest finde ich im Gespräch.
