Du bist genau richtig

Twistringen – Die Gitarrenkoffer stehen auf dem Boden wie zwei dunkle Schatten. Im Raum riecht es nach Kaffee und Berliner. Heiner Limberg greift zuerst in die Saiten, prüfend, suchend. „Wir sind keine Profis“, sagt er, noch bevor jemand gefragt hat. „Das ist und bleibt ein Hobby.“ Dann kommt dieses
Lächeln, das den Satz sofort relativiert. „Gerade deshalb ist es uns wichtig, dass es Spaß macht. Wenn man zu viel will, verliert man die Musik.“ Neben ihm sitzt Martin, die Hände locker auf den Knien. „Unsere Eltern waren in der Kirche“, erzählt er. „Wir sind als Kinder ständig mit Musik in Berührung gekommen. In
der Schule haben wir angefangen zu spielen.“

„Mit 13 hatte ich Gitarrenunterricht“, wirft Heiner ein. „Danach haben wir uns vieles selbst beigebracht. Bücher, Videos, alles, was wir finden konnten.“ Die ersten Auftritte fanden dort statt, wo niemand Eintritt verlangte und niemand einen Vertrag aufsetzte. Im Freundeskreis, auf Feiern, in Wohnzimmern.
„Irgendwann hat jemand gesagt: ,Mensch, geil, was ihr macht‘“, erinnert sich Heiner. „Da haben wir gedacht, wir könnten auch mal vor mehr Leuten spielen.“ „Aber immer nur im privaten Rahmen“, betont Martin. Seit 2009 ziehen sie mit diesem Vorsatz durch die Kneipen und Gärten der Region.

„Wir spielen viel aus den Sechzigern, Siebzigern, Achtzigern“, sagt Martin. „Ab und zu auch was aus den Zweitausendern“, ergänzt sein Bruder. „Aber wir bleiben bei dem, womit wir groß geworden sind.“ „Akustikrock“ nennt Heiner ihr Repertoire, das aus Titeln der Top 100 der letzten 50 Jahre besteht. Sie
erzählen von Nächten, die länger wurden als geplant. Und manchmal anders enden als geplant. „Da muss ich heute noch lachen“, sagt Heiner. „Private Garten-Party. Wir haben bis halb drei gesungen.“ Martin grinst. „Dann kam die Polizei.“ „Mit der Aufforderung aufzuhören“, ergänzt Heiner. „Sonst wird es
teuer, die Instrumente auszulösen.“ Er lacht kurz. „Seitdem setzen wir uns eine Frist. Dann ist Schluss.“

Privat, sagen beide, sie seien eher zurückhaltend. Auf der Bühne aber wachse etwas anderes in ihnen. „Wir wollen gute Laune verbreiten“, erklärt Heiner. „Das ist eigentlich alles.“ Karriere? Das Wort fällt zögerlich. „Wir haben keine CDs gemacht, keine Videos“, sagt Martin. „Nur unsere Stimmen und Instrumente.“ „Talent braucht man“, ergänzt er, „aber auch Glück. Und vor allem darf die Musik nicht zur Last werden.“ Inzwischen haben sie mehr Zeit. „Darüber freue ich mich riesig“, sagt Heiner.

Eigene Songs schreiben sie nicht. „Können wir nicht“, meint Martin achselzuckend. „Und diese ganzen KISachen, das ist nichts für uns.“ „Wir interpretieren die Lieder auf unsere Art“, sagt Heiner. „Das reicht uns.“ Werbung? Kopfschütteln. „Haben wir nie gemacht. Die Leute kommen meistens von selbst“, sagt Martin. In Twistringen treten sie oft beim Kulturverein Kurt auf. „Da machen wir sehr gerne mit“, sagt Heiner. Und dann fällt noch ein anderes Datum, fast nebenbei: ein Benefizkonzert 2021 in Ahrtal. „Das war ganz besonders.“

Am Ende lehnen sich beide zurück. Der Kaffee ist kalt geworden, die Gitarren warten noch. „Ich würde meinem jüngeren Ich sagen: Du bist genau richtig“, sagt Martin. Heiner denkt länger nach. „Vielleicht hätte ich früher mehr machen können“, sagt er schließlich. „Aber ich bin zufrieden.“ Dass sie Brüder sind,
merkt man in den Pausen zwischen den Sätzen. In den Blicken. In der Selbstverständlichkeit, mit der einer dem anderen Raum lässt. „Wir sind viel zusammen“, sagt Martin. „Man sagt, das sei eine Seltenheit.“ „Wir fahren viel Fahrrad, Motorrad“, zählt Heiner auf. Dann lacht er. „Ein Limberg kommt
selten allein.“

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