Syke – Alles beginnt mit ihrem Lachen. Es ist kein höfliches, kleines Lächeln, das man aus Gesprächen kennt. Es ist ein Lachen, das Raum nimmt. Kurz darauf wird ihre Stimme wieder weich, fast flüsternd, als wolle sie niemanden erschrecken. Barbara Burmeister beherrscht diese Wechsel. Laut und leise. Spiel und Ernst. Kindsein und Verantwortung. Sie sitzt im Raum, den sie nicht Studio nennt, sondern Klangraum. Die grüne Farbe der Wand und Deko, ein kleiner Buddha, eine Liegematte, ein kleines Sofa mit vielen Kissen, daneben schimmern Metallschalen in unterschiedlichen Größen. Doch im Mittelpunkt steht der Mensch.

Burmeister liebt Anfänge. Neue Wege. Das vorsichtige Tasten in unbekanntem Gelände. Vor mehr als zehn Jahren, erzählt sie, sei sie eher zufällig in die Welt der Klänge geraten. Eine Freundin habe sie mitgenommen, einfach so. „Ich wollte nur ausprobieren, was das ist.“ Was dann passierte, beschreibt sie mit einem Schulterzucken, als wäre es das Natürlichste der Welt. Begeisterung. Ausbildung. Noch eine. Schließlich die Entscheidung, sich selbstständig zu machen. „Ich wusste, dass das nicht massentauglich ist“, sagt sie. „Aber ich wusste auch: Das bin ich.“
Der Weg war leise, nicht triumphierend. Erste Kurse mit wenigen Teilnehmenden. Flyer, Gespräche, offene Türen. Immer wieder erklären, worum es eigentlich geht. Dann kam die Pandemie, als hätte jemand den Ton plötzlich abgedreht. Stille. Improvisation. Digitale Treffen, bei denen Klang durch Bildschirme reisen sollte. „Das war absurd“, sagt sie und lacht, diesmal kurz und trocken. „Aber aufhören war keine Option.“
Was sie anbietet, nennt sie nicht Therapie. Stattdessen spricht sie von Tiefenentspannung. Von Pausen in einer Welt, die selten innehält. Von Körpern, die ständig funktionieren müssen und irgendwann vergessen, wie Stillstand geht. Vor jeder Sitzung spricht sie mit den Menschen, hört zu, fragt nach Erwartungen und Grenzen. Dann stellt sie mehrere Klangschalen auf den Körper. Bauch. Brustkorb. Rücken. Die Hände bleiben sonst bei sich. Bewegung entsteht allein durch Schwingung. Die Töne wandern. Durch Muskeln, durch Knochen, durch Gedanken. Manche beschreiben später ein Kribbeln, andere Bilder, andere ein Gefühl, als sei etwas Schweres leise zur Seite gerückt worden. „Der Körper merkt Dinge früher als wir“, sagt Burmeister. „Der Kopf diskutiert noch, da hat der Körper längst entschieden.“
Vielleicht ist es diese Mischung aus Achtsamkeit und Verspieltheit, die Burmeister liebt. Denn wenn sie nicht im Klangraum sitzt, kann es passieren, dass man ihr in der Stadt begegnet. Mit Clownsnase. Bunter Jacke. Zwei Freunden im Schlepptau. Kleine spontane Auftritte. Alberne Gesten. Unsinn mit System. „Ich will nur, dass Menschen kurz aus dem Alltag kippen.“ Die Reaktionen seien unterschiedlich. Lachen. Staunen. Fotos. Manchmal Abwehr. „Das gehört dazu“, sagt sie. „Ein Lächeln kann man niemandem aufzwingen. Aber man kann es anbieten.“ Ab und zu lacht sie dabei absichtlich ein wenig zu groß, ein wenig zu laut, fast übertrieben. „Und das steckt an, wirklich!“, verspricht sie und hebt die Schultern.
Seit einigen Jahren arbeitet sie auch als Clownin in Einrichtungen für schwerkranke Kinder wie das Kinderhospiz Löwenherz in Syke. Dann bringt sie auch Klänge mit, lässt Schalen singen, wo sonst Maschinen summen. „Manche Kinder sind unruhig“, erzählt sie. „Durch die Klänge werden sie langsam ruhiger. Das ist wie ein Geschenk für mich.“ Und: „Man darf Kind bleiben“, fügt sie hinzu, fast beiläufig. Das sei ihr innerer Kompass. Neues ausprobieren. Nicht erst fragen, ob es passt. Sondern fühlen, ob es stimmt. Zwischen Klangschalen und Clownsnase ziehe sie eine Linie, die man erst auf den zweiten Blick erkenne. Es geht immer um dasselbe: um Begegnung und Leichtigkeit. „Die Welt ist zu grau, zu traurig. Wir nehmen Vieles viel zu ernst, wir sind viel zu viel unzufrieden“, begründet sie ihren Wunsch nach Gelassenheit.
Dann steht sie auf, räumt ein paar Schalen beiseite. Eine klingt noch nach, obwohl niemand sie berührt hat. Ein leiser, schwebender Ton. Barbara Burmeister lächelt. Nicht laut diesmal. Eher so, als wüsste sie, dass genau das genügt.

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